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Lens Hunt: Auf der Jagd nach dem perfekten Portrait Objektiv

Als Fotograf – gleich ob Hobbyist oder Profi – ist man immer bestrebt, knackscharfe Aufnahmen zu bekommen. Schärfe ist in vielen (wenn auch nicht allen) Fällen ein Qualitätskriterium. In der Regel wirkt ein Bild einfach besser, wenn es richtig scharf ist, zumindest an den Stellen an denen man es erwartet. Um wirklich scharfe Bilder zu bekommen, müssen mehrere Faktoren zusammenspielen. Abgesehen von der Kamera und ein paar grundlegenden Anforderungen an die richtige Handhabung der Ausrüstung, ist das richtige Objektiv in erster Linie dafür verantwortlich.

Ein falsches oder schlechtes Objektiv wird einfach keine scharfen Bilder liefern, egal was Du tust. Selbst wenn Du die teuerste Kamera verwendest und eine billige Linse drauf schraubst, wirst Du schwammige und eben nicht knackscharfe Bilder bekommen. Wobei „billig“ hier nicht unbedingt im Sinne von „preiswert“ oder „im unteren preislichen Segment“ bedeutet, sondern eben einfach „billig“ eher im Sinne von „unpassend“. Denn durchaus muss ein Objektiv zur Kamera passen. Auch eine hochpreisige Linse kann – an der falschen Kamera – zu unerwünschten Ergebnissen führen. Ein altes für Vollformat ausgelegtes Glas an einem hochauflösenden APS-C Sensor kann sehr viel schlechtere Ergebnisse bringen, als eine auf den Sensortyp optimiere Linse, die sehr viel weniger kostet.

Ein Beispiel: Von einer Bekannten bekam ich die Gelegenheit das alte Canon 24 - 70 mm f/2.8 L USM auszuprobieren und war einigermaßen enttäuscht. Man bekommt das Objektiv für rund 700 – 900 Euro gebraucht bei eBay. Das war das obere Ende meines geplanten Budgets und dafür habe ich natürlich recht hohe Erwartungen gehabt. Aber das Objektiv passt schlichtweg nicht zu meiner neuen 24MP APS-C Kamera. Es kommt offenbar mit der hohen Pixeldichte nicht klar und die Bilder waren leicht milchig und soft, also alles Andere als knackscharf.

Ich fotografiere in erster Linie Menschen. Also Portraits und Headshots. Dadurch habe ich ganz spezielle Anforderungen an eine Linse. Andere, als wenn ich Tierfotograf, oder Landschaftsfotograf wäre.

Was macht ein gutes Portrait Objektiv aus? Diese Frage kann man vermutlich nur subjektiv beurteilen. Für mich sind vorrangig zwei Faktoren wichtig: 1. Schärfe und 2. Bokeh. Also habe ich in den letzten Wochen einige Objektive getestet, um die richtige Linse für meine Anforderungen zu finden. Besonders die Augen sollten bei einem Portrait wirklich scharf sein, weil das einfach den Unterschied macht. Und das Objektiv muss ein schönes Bokeh – also die Hintergrundunschärfe – erzeugen, damit die portraitierte Person sauber und harmonisch vom Hintergrund abgehoben wird. Weitere Faktoren sind natürlich der Preis, die Flexibilität (im Hinblick auf die Brennweite) und die Lichtstärke (die letztlich wieder für ein ansprechendes Bokeh sorgt).

Nun gibt es hervorragende Portraitlinsen im hochpreisigen Bereich, der mein Budget leider sprengen würde. Aber nach einigem Suchen und Testen verschiedenster Objektive fand ich das Sigma 17-50 mm F2,8 EX DC OS HSM-Objektiv, welches sich bei einem Preis von rund 300 Euro als wirklich sehr scharf herausstellte. Das ist sozusagen mein Standardobjektiv im Studio geworden, weil es durch den Brennweitenbereich perfekt dafür passt. Aber auch draußen macht es sehr viel Spaß.

Besonders im Freien ist die „klassische“ Brennweite von 70 – 200 mm bei Portraitfotografen sehr beliebt. Aus Canons „L“ Serie gibt es da natürlich das 70-200 mm 1:2,8 L IS II USM, das aber mit ca. 2.000 Euro (!!!) jenseits…sehr weit jenseits meines Budgets liegt. Auch andere Objektive in der Art sind anständig teuer.

Um so mehr überrascht hat mich dann das Canon EF-S 55-250mm 1:4-5.6 IS STM, das zwar eine überschaubahre Lichtstärke hat, was aber aufgrund der Tatsache, dass ich es eigentlich nur draußen einsetze, zu vernachlässigen ist. Die benötigte Hintergrundunschärfe (Bokeh) hat es aufgrund der langen Brennweite bis 250mm trotzdem. Die Schärfe dieses, mit unter 200 Euro recht günstigen, Objektivs ist absolut topp. Oder anders formuliert, werden Bilder mit 5 – 10 mal so teurern Objektiven nicht so dramatisch schärfer, dass es sich für mich wirklich rechnen würde, entsprechend auch so viel mehr auszugeben.

Als relativ lichtstarke Festbrennweite im typischen Portraitbereich von 50 mm (was gerechnet auf Kleinbildformat ca. 85 mm entspricht) nutze ich aktuell das ebenfalls recht günstige, aber gute Canon EF 50mm 1:1.8 STM Objektiv. Damit bekommt man natürlich auch bei kurzer Brennweite und Offenblende 1.8 ein sehr anständiges Bokeh hin. So eine Linse muss man eigentlich einfach mal im Gepäck haben. Knapp über 100 Euro reißen nun auch keine großen Löcher in den Geldbeutel. Beim Kauf aber unbedingt darauf achten, dass es sich um das Objektiv mit der Zusatzbezeichnung STM handelt. Das ist die aktuellste Version mit leisem und schnellen STM Autofokus und Metallbajonett.

Fazit

Ein gutes Objektiv muss nicht unbedingt sehr teuer sein. Auch wenn zwar teurer oft auch gleich besser ist, ist das nicht immer so. Ich habe wirklich viel getestet und so manche hochpreisige Linse konnte mich nicht überzeugen. Wenn man die Möglichkeit hat, sollte man es immer selbst ausprobieren. Schärfetests kann man im Grunde sehr einfach durchführen, wenn es um den persönlichen Schärfeeindruck und nicht um eine streng wissenschafliche Herangehensweise geht. Ich habe meistens Geldscheine fotografiert, weil die sehr feine Linien haben. Natürlich muss der Aufbau und das Licht bei den Bildern gleich sein. Oder ich habe einfach ein Gesicht fotografiert und dabei auf ein Auge fokusiert. Dann sieht man sehr einfach, ob das Objektiv gut scharf ist, oder nicht.

Meine aktuell genutzten Objektive

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