Die bessere Kamera macht bessere Bilder

Für gute Bilder braucht ein Fotograf auch professionelle Technik, also möglichst die neuste und teuerste Kamera…oder vielleicht doch nicht unbedingt? Dieser Frage bzw. dieser Annahme gehe ich in diesem Beitrag ein wenig auf den Grund.

Wenn man als professioneller Fotograf seine Brötchen verdienen will, muss man entsprechend hochwertiges Equipment verwenden, wird oft gesagt und das klingt ja auch erst mal plausibel. Die meisten Kamerahersteller haben Einsteiger- Fortgeschrittenen- und Profimodelle im Angebot und diese unterscheiden sich in Ausführung, Funktion und natürlich auch preislich meist sehr deutlich. Da es diese Unterschiede gibt, sollte man doch vermuten, dass man mit einer Einsteigerkamera keine professionellen Bilder machen kann. Und das ist ganz einfach unsinnig und falsch.

Ein guter Fotograf wird in der Lage sein, mit einer einfachen Kamera und selbst mit einem Smartphone gute (und professionelle) Aufnahmen zu machen, während ein blutiger Anfänger vermutlich auch mit dem Top-Modell des Herstellers XY keine brauchbahren Ergebnisse erzielen wird. Letztlich ist die Technik nur ein Hilfsmittel, aber die Bilder macht eben immer noch der Fotograf mit seinem rechten Zeigefinger, seinem Wissen und seiner Erfahrung. Wer sich ausschließlich auf die Technik verlässt wird schnell auf den Boden der Tatsachen zurück geholt werden.

Dass man einem Bild in aller Regel nicht mal wirklich ansieht, mit welcher Kamera es gemacht wurde, zeigt der Kollege Stefan Wiesner in einem Video sehr deutlich. Leider ist das Video seit kurzem nicht mehr verfügbar.

Natürlich bietet eine hochwertige Kamera mehr Möglichkeiten als das Einsteigermodell, aber diese Möglichkeiten muss man auch zu nutzen wissen und ausschöpfen, denn sonst bringen sie einem keinen Mehrwert. Darüber hinaus ist die Wahl der richtigen Linse, also eines hochwertigen und vor allem passenden Objektivs oft viel wichtiger als die Kamera selbst. Ein schlechtes und eher minderweriges Objektiv an einer Profi-Kamera wird eben auch nur maximal mittelmäßige Bilder abliefern (weil es z.B. nicht richtig scharf ist).

Gleichzeitig gewährleistet der Kauf einer teuren Linse nicht automatisch perfekte Ergebnisse. Objektiv und Kamera müssen halt auch zusammen passen. Ich kann das an einem sehr einfachen Beispiel aus der Praxis zeigen.

Vor einiger Zeit wollte ich mir ein hochwertiges, aber bezahlbares Objektiv für meine Canon EOS 760D kaufen. Ein flexibles und lichtstarkes Standardzoom sollte es sein. Also fiel die Wahl auf das 24 – 70 mm f/2,8 aus Canons „L“ Serie, das man mittlerweile für rund 800 Euro neu bekommt (das Alte, nicht das Aktuelle in der Version II, das ist doppelt so teuer). Ist ja auch nicht gerade aus der Portokasse zu bezahlen und sollte deshalb natürlich vorab getestet werden. Eine Bekannte von mir hat das Teil und so hatte ich Gelegenheit zu einem kurzen Testshooting. Das Ergebnis war dann aber recht enttäuschend, was vermutlich daran lag, dass das Objektiv ganz einfach mit der hohen Pixeldichte meiner modernen APS-C Kamera nicht richtig klar kam. Auf der älteren Vollformat-Kamera waren die Bilder deutlich schärfer.

Nun könnte mannatürlich auch sagen, dass der APS-C Sensor eben nicht so scharfe Bilder liefert, aber das stimmt nicht. Mittlerweile habe ich ein aktuelles und passendes Objektiv auf der Kamera (für unter 300 Euro übrigens) und die Bilder sind knackscharf, wie ich es erwarte.

Die Technik muss also zusammenpassen, der Fotograf muss damit umgehen können und sein Handwerk ebenso verstehen, wie er Kreativität mitbringen muss. Und dann kann man auch mit eher einfachem Equipment hervorragende Bilder machen, so wie man als Ahnungsloser eben auch mit Profi- Ausrüstung Müll produzieren kann.

Außerdem sollte man sich bei der Anschaffung von Equipment auch mal Gedanken über den geplanten Verwendungszweck machen. Wenn ich meine Bilder fast ausschließlich auf Facebook oder meiner Website veröffentiche brauche ich natürlich sehr viel weniger (technische) Qualität, als wenn ich ständig für Hochglanzmagazine oder Werbeplakate shoote. Wenn ich viel Outdoor und unter extremen Bedingungen fotografiere, brauche ich eine robustere (und damit meist teurere) Ausrüstung, als wenn ich hauptsächlich im Studio oder bei Sonnenschein in der Stadt fotografiere.

Darüber hinaus ist die Anschaffung einer neuen Kamera oder eines neuen Objektivs für mich als Profi-Fotografen nicht einfach eine Anschaffung die ich mache, weil ich gerade Bock darauf habe, sondern eine Investition in mein Arbeitsgerät, die sich rechnen muss. Wenn ich damit nicht deutlich mehr bessere Bilder machen kann, die ich dann entsprechend für mehr Geld verkaufe (um es mal etwas platt auszudrücken), dann ist es ganz einfach eine Fehlinvestition und damit wirtschaftlich nicht sinnvoll. So rational gehe ich zwar auch nicht immer an die Sache ran, aber ich bin zumindest bemüht es so zu tun. Schon alleine zur Schonung meines eigenen Geldbeutels.

Am Ende muss der Spaß – egal ob als Hobby oder Profession – auch bezahlt werden. Und wenn ich keine 10.000 Euro für die Top-Ausrüstung habe, muss ich halt vermeintlich kleinere Brötchen backen. Das bedeutet aber nicht, dass dadurch meine Kreativität und meine handwerklichen Fähigkeiten beschnitten werden.

„Meine Ausrüstung ist halt nicht so gut“

ist ab sofort also keine Ausrede mehr für schlechte Bilder.

 

 

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.